Einen Hund oder eine Katze mit Diabetes zu Hause gut einzustellen, hängt an drei Dingen, die du konsequent erledigst: Insulin jeden Tag zur selben Zeit und zusammen mit einer Mahlzeit, regelmäßige Blutzuckermessungen und ein schriftliches Protokoll, mit dem deine Tierärztin oder dein Tierarzt die Dosis anpassen kann. Die Leitlinien der AAHA (American Animal Hospital Association) streben einen niedrigsten Tageswert von etwa 80 bis 150 mg/dl (4,4 bis 8,3 mmol/l) an, die höchsten Werte sollen bei Hunden nahe 200 mg/dl (11,1 mmol/l) und bei Katzen nahe 300 mg/dl (16,7 mmol/l) liegen. Unterzuckerung ist der eine Notfall, den jede Halterin und jeder Halter auf den ersten Blick erkennen sollte.
Das Wichtigste in Kürze
- Normaler Blutzucker liegt bei einem gesunden Hund bei etwa 70 bis 140 mg/dl (3,9 bis 7,8 mmol/l), bei einer gesunden Katze bei etwa 70 bis 150 mg/dl (3,9 bis 8,3 mmol/l). Die genauen Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor.
- Die Therapieziele sind weiter gefasst als die Normalwerte. Ziel ist ein Tier ohne Symptome und ohne Unterzuckerung, nicht ein perfekter Wert.
- Insulin wird meist alle 12 Stunden gegeben, zusammen mit oder direkt nach einer Mahlzeit. Art und Dosis legt deine Tierarztpraxis fest, und nur sie ändert die Dosis.
- Ein Blutzuckertagesprofil bedeutet Messungen alle 2 Stunden über ein Dosierungsintervall. Es zeigt, wie tief der Blutzucker fällt (der Nadir) und wie lange das Insulin wirkt.
- Gib einem Tier, das nicht gefressen hat oder erbricht, niemals Insulin, ohne vorher in der Praxis anzurufen, und verdopple nie eine vergessene Dosis.
- Schwäche, Taumeln, Zittern oder Krampfanfälle können auf eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) hindeuten. Reibe etwas Honig oder Glukosesirup aufs Zahnfleisch und ruf sofort eine Tierärztin oder einen Tierarzt an.
Du weißt noch nicht, ob dein Tier Diabetes hat? Lies zuerst über die Symptome von Diabetes bei Katze und Hund und nutze unseren Symptom-Check.
Welcher Blutzuckerwert ist bei Katzen und Hunden normal?
Ein Tier mit Diabetes, das Insulin bekommt, hat über weite Teile des Tages höhere Werte als ein gesundes Tier, und das ist so gewollt. Die Tabelle stellt die gängigen Werte nebeneinander. Es sind häufig zitierte Werte, die Therapieziele stammen aus den AAHA-Leitlinien zum Diabetes-Management bei Hunden und Katzen. Referenzbereiche unterscheiden sich aber zwischen Laboren und Messgeräten, und deine Tierarztpraxis kann für dein Tier andere Ziele festlegen.
| Situation | Hunde | Katzen |
|---|---|---|
| Gesund, nüchtern | etwa 70 bis 140 mg/dl (3,9 bis 7,8 mmol/l) | etwa 70 bis 150 mg/dl (3,9 bis 8,3 mmol/l) |
| Übliches Therapieziel über den Tag (AAHA; idealer Tiefstwert 80 bis 150 mg/dl) | etwa 80 bis 200 mg/dl (4,4 bis 11,1 mmol/l) | etwa 80 bis 300 mg/dl (4,4 bis 16,7 mmol/l) |
| Ab hier gelangt Zucker in den Urin (Nierenschwelle, je nach Quelle unterschiedlich) | ungefähr 180 bis 220 mg/dl (10 bis 12,2 mmol/l) | ungefähr 250 bis 290 mg/dl (13,9 bis 16,1 mmol/l) |
| Unterzuckerung, als Notfall behandeln | unter etwa 60 mg/dl (3,3 mmol/l) | unter etwa 60 mg/dl (3,3 mmol/l) |
Zum Umrechnen teilst du mg/dl durch 18 und erhältst mmol/l, oder du multiplizierst mmol/l mit 18 und erhältst mg/dl. Notiere immer, welche Einheit dein Messgerät anzeigt. Einheiten im Protokoll zu vermischen, ist ein häufiger Fehler.
Bei Katzen kommt eine Besonderheit hinzu: die Stresshyperglykämie. Eine verängstigte Katze in der Praxis kann Werte weit über 300 mg/dl haben, ganz ohne Diabetes. Das ist ein Grund, warum Messungen zu Hause gerade bei Katzen so wertvoll sind. Sie sind oft aussagekräftiger als Werte aus der Praxis.
Wie oft und wann bekommt eine Katze oder ein Hund mit Diabetes Insulin?
Die meisten Hunde und Katzen bekommen zweimal täglich Insulin, im Abstand von etwa 12 Stunden und abgestimmt auf die Mahlzeiten. Die Routine ist genauso wichtig wie das Insulin selbst.
Ein typischer Tag sieht so aus:
- Morgens: Prüfe, ob dein Tier munter ist und fressen möchte. Gib die abgemessene Mahlzeit.
- Sobald dein Tier normal gefressen hat, gib die verordnete Insulindosis, meist innerhalb von wenigen Minuten bis einer halben Stunde nach der Mahlzeit, so wie es deine Tierarztpraxis vorgibt.
- Notiere die Uhrzeit, die gegebene Dosis, wie viel gefressen wurde und alles Ungewöhnliche.
- Abends, 12 Stunden später: Wiederhole dieselben Schritte mit der zweiten Mahlzeit.
- Dazwischen: Halte Leckerlis klein und gleichmäßig und vermeide große Änderungen bei der Bewegung, ohne sie mit der Praxis abzusprechen.
Einige Regeln gelten für fast jedes Insulin:
- Spritze und Insulin müssen zusammenpassen. Tierarzneiliche Insuline sind oft U-40, Humaninsuline oft U-100. Mit der falschen Spritze stimmt die Dosis nicht. Welche du brauchst, sagt dir deine Tierarztpraxis oder die Apotheke.
- Misch es so, wie es auf der Packungsbeilage steht. Manche Insuline werden geschüttelt, andere nur vorsichtig zwischen den Händen gerollt. Lagere Insulin wie angegeben, meist im Kühlschrank, und achte auf Verfallsdatum und Verwendungsdauer nach Anbruch.
- Wechsle die Injektionsstelle entlang der Körperseiten, damit sich die Haut nicht an einer Stelle verdickt.
- Eine Person spritzt das Insulin, oder der Haushalt führt ein gemeinsames Protokoll, damit nie versehentlich doppelt gespritzt wird.
Auch das Futter gehört zum Plan. Viele Tierärztinnen und Tierärzte empfehlen für Katzen ein kohlenhydratarmes, proteinreiches Futter, was die Konsensus-Leitlinien der International Society of Feline Medicine (ISFM) zum Katzendiabetes stützen, und für viele Hunde ein gleichbleibendes, ballaststoffreiches oder spezielles Diabetesfutter. Manche Katzen, die früh und gut behandelt werden, erreichen eine Remission und brauchen kein Insulin mehr. Auch deshalb lohnt sich die Kontrolle zu Hause: Eine Katze auf dem Weg in die Remission kann mit einer Dosis, die bisher passte, unterzuckern. Hunde brauchen fast immer lebenslang Insulin.
Als Nächstes lesenDiabetes Katze Symptome und beim Hund: frühe Anzeichen erkennenWas tun, wenn dein Tier nicht frisst, erbricht oder eine Dosis vergessen wurde?
Das sind die Regeln, die Tierarztpraxen am häufigsten vermitteln. Deine eigene Praxis gibt dir für dein Tier vielleicht etwas andere Anweisungen, und die haben Vorrang.
- Frisst nicht oder erbricht: Gib nicht die übliche Insulindosis. Ruf in der Praxis an und frag, was zu tun ist. Insulin ohne Futter ist der klassische Weg in die Unterzuckerung.
- Dosis vergessen: Verdopple die nächste Dosis nicht. Meist lässt man die vergessene Dosis aus und macht mit der nächsten Mahlzeit nach Plan weiter. Frag deine Praxis, wie sie es handhaben möchte.
- Unsicher, ob die Dosis gegeben wurde: Geh davon aus, dass sie gegeben wurde, und warte auf die nächste planmäßige Dosis. Ein paar Stunden leicht erhöhter Blutzucker sind weit weniger gefährlich als eine doppelte Dosis.
- Erbrechen, Futterverweigerung, Schwäche und ein süßlicher oder nach Aceton riechender Atem: Das kann auf eine diabetische Ketoazidose hindeuten, einen Notfall. Geh noch am selben Tag in die Tierarztpraxis.
Woran erkennst du eine Unterzuckerung bei Katze und Hund, und was ist zu tun?
Bei einer Hypoglykämie ist der Blutzucker zu stark gefallen, meist durch zu viel Insulin, eine ausgelassene Mahlzeit, Erbrechen, ungewohnte Bewegung oder eine Katze, die in Remission geht. Sie kann sich schnell entwickeln.
Achte auf:
- Mattigkeit, Teilnahmslosigkeit oder ungewöhnliche Ruhe
- Schwäche, Taumeln oder einen schwankenden Gang
- Zittern, Muskelzucken oder Unruhe
- Desorientierung, starren Blick oder scheinbare Blindheit
- Krampfanfälle oder Zusammenbruch
Was zu tun ist, nach gängiger tierärztlicher Empfehlung:
- Ist dein Tier wach und kann schlucken, biete ihm sofort sein normales Futter an.
- Frisst es nicht oder ist es zu schwach, reibe mit dem Finger eine kleine Menge Honig oder Glukosesirup (Maissirup) aufs Zahnfleisch. Gieße keine Flüssigkeit in das Maul eines Tieres, das nicht richtig schlucken kann, weil sie eingeatmet werden kann.
- Ruf sofort deine Tierarztpraxis oder die nächste Tierklinik mit Notdienst an, auch wenn sich dein Tier scheinbar erholt. Die Unterzuckerung kann wiederkommen.
- Gib die nächste Insulindosis erst, wenn eine Tierärztin oder ein Tierarzt es dir gesagt hat.
- Wenn du ein Messgerät hast, miss den Blutzucker und notiere Wert und Uhrzeit.
Bewahre Honig oder Glukosesirup an einem Ort auf, den alle im Haushalt kennen.
Wie erstellst du ein Blutzuckertagesprofil zu Hause?
Ein Blutzuckertagesprofil (auch Blutzuckerkurve) ist eine Reihe von Messungen über ein vollständiges Dosierungsintervall, typischerweise alle 2 Stunden über 12 Stunden, wie in den AAHA-Leitlinien beschrieben. Deine Tierarztpraxis sieht daran den Tiefstwert, wann er erreicht wird und wie lange das Insulin wirkt. Viele Praxen bevorzugen Profile von zu Hause, weil ein entspanntes Tier realistischere Werte liefert, vor allem bei Katzen.
Was du brauchst:
- Ein Blutzuckermessgerät, das deine Tierarztpraxis empfiehlt. Tiermedizinisch kalibrierte Geräte sind für Hunde- und Katzenblut ausgelegt; Geräte für Menschen können abweichende Werte anzeigen, deshalb immer dasselbe Gerät verwenden.
- Lanzetten, Teststreifen und Tupfer
So gehst du vor:
- Wähle die Entnahmestelle, die dir deine Praxis gezeigt hat. Bei Katzen ist das meist der Ohrrand; bei Hunden sind das Ohr, die Innenseite der Lippe oder ein Ballen üblich.
- Miss zum ersten Mal direkt vor der Morgenmahlzeit und dem Insulin. Das ist der Zeitpunkt null.
- Füttere und spritze wie gewohnt. Ändere am Profiltag nichts an der Routine.
- Miss alle 2 Stunden, bis die nächste Dosis fällig ist. Fallen die Werte schnell oder liegen sie nahe der Untergrenze, möchte deine Praxis rund um den Tiefstwert vielleicht stündliche Messungen.
- Schreib jeden Wert sofort auf, mit genauer Uhrzeit und allem, was gefressen wurde.
- Schick die Ergebnisse an deine Tierarztpraxis und warte ihre Entscheidung ab, bevor du etwas änderst.
Manche Praxen setzen kontinuierliche Glukosemessgeräte ein: kleine Sensoren auf der Haut, die den Blutzucker bis zu etwa zwei Wochen lang aufzeichnen und von der Praxis angebracht und ausgewertet werden. Deine Praxis kann außerdem einen Fructosamin-Wert bestimmen, der den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen etwa ein bis drei Wochen widerspiegelt, und dich bitten, den Urin mit Teststreifen auf Zucker oder Ketone zu prüfen. Nichts davon ersetzt es, dein Tier gut zu beobachten.
Was gehört in das Diabetes-Protokoll für dein Tier?
Ein gutes Protokoll beantwortet die Fragen, die deine Tierarztpraxis stellen wird. Führe es jeden Tag gleich:
- Datum und Uhrzeit jeder Mahlzeit und wie viel gefressen wurde
- Insulinsorte, gegebene Dosis und wer sie gegeben hat
- Blutzuckerwerte mit Uhrzeit und Einheit
- Trinkmenge und wie oft dein Tier Urin absetzt, soweit du es abschätzen kannst
- Körpergewicht, einmal pro Woche auf derselben Waage
- Alles Ungewöhnliche: Erbrechen, Mattigkeit, eine ausgelassene Mahlzeit, veränderte Aktivität
Mehr Durst und häufigerer Harnabsatz gehören zu den ersten Anzeichen, dass die Einstellung nachlässt. Wenn du nicht sicher bist, was normal ist, findest du in unserem Ratgeber wie viel Wasser ein Hund oder eine Katze braucht Werte pro Kilogramm und eine Anleitung, wie du die Trinkmenge zu Hause misst. Auch Gewichtsverlust zählt; wöchentliches Wiegen ist eine einfache Kontrolle, und unsere Katzen-Gewichtstabelle nach Rasse zeigt typische Bereiche.
Wie protokollierst du Blutzucker und Insulin in PetVitals?
In PetVitals kannst du jeden Blutzuckerwert und jede Insulindosis als Gesundheitseintrag im Profil deines Tieres speichern, zusammen mit Gewicht und Symptomen, und zweimal tägliche Erinnerungen passend zu den Mahlzeiten einrichten. Das Blutzuckerdiagramm zeigt die Werte über Tage und Wochen, sodass ein Profiltag oder eine schleichende Veränderung leicht zu erkennen ist. Vor einem Termin exportierst du einen PDF-Bericht mit Werten, Dosen und Gewicht für deine Tierarztpraxis. Der KI-Assistent beantwortet Fragen anhand der Einträge deines Tieres, ändert aber keine Dosen und sagt dir, wenn etwas in die Praxis gehört.
Wann solltest du die Tierarztpraxis anrufen?
Ruf noch am selben Tag an, wenn dein Tier mit Diabetes:
- eine Mahlzeit verweigert oder erbricht
- schwach, wackelig oder verwirrt wirkt oder einen Krampfanfall hat (zuerst wie eine Unterzuckerung behandeln)
- deutlich mehr trinkt und Urin absetzt als sonst oder abnimmt
- einen Blutzuckerwert unter der Untergrenze hat, die deine Praxis dir genannt hat, oder wiederholt sehr hohe Werte
- schnell atmet, sehr matt ist oder süßlich bzw. nach Aceton riechenden Atem hat
Für Katzen lies auch unseren Ratgeber zu Anzeichen, dass die Katze krank ist; viele frühe Warnzeichen sind unauffällig.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keinen Besuch in der Tierarztpraxis. Insulinsorte, Dosis und Zielwerte legt deine Tierärztin oder dein Tierarzt individuell für dein Tier fest. Wenn du unsicher bist, ruf in deiner Praxis an.
Diabetes ist am Anfang viel Neues, doch mit einer festen Routine und einem klaren Protokoll kommen die meisten Familien gut zurecht. PetVitals gibt es für iPhone und Android, wenn du dieses Protokoll an einem Ort führen möchtest.